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Buchtipps

Horst Evers, Wer alles weiß, hat keine Ahnung. „An der Bushaltestelle. Eine mir unbekannte Frau rennt plötzlich auf mich zu und beginnt, hektisch zu reden. „Entschuldigen Sie bitte, Sie kennen mich nicht. Aber Sie sehen meinem Mann so unglaublich ähnlich. Und der hat sich doch jetzt die Nase gebrochen. Weshalb das blöderweise mit dieser Gesichtserkennung nicht mehr funktioniert. Also dürfte ich bitte mal kurz mit Ihrem Gesicht sein Handy entsperren?“

Helga Schubert, Vom Aufstehen – Ein Leben in Geschichten. Mit 80 Jahren hat Helga Schubert den Ingeborg Bachmann Preis 2020 gewonnen. „Vom Aufstehen" ist die letzte von 29 Erzählungen, die dem Leser Einblicke in das wechselvolle Leben der Autorin erlauben. Sie ist in der ehemaligen DDR geboren und hat auch nach der dramatischen Flucht vor der Roten Armee in Ostberlin gelebt. In den 60iger Jahren begann sie zu schreiben und studierte Psychologie. Ihr Buch „Judasfrauen“ wurde ihr erster Erfolg.

Elizabeth Strout, Mit Blick aufs Meer /  Die langen Abende. Zwei wunderbar ehrliche Romane über das Leben in einer Kleinstadt mit ihren Bewohnern. Elizabeth Strout schafft es jedes Mal, wenn sie den Leser einen Ausflug in der kleinen Stadt Crosby unternehmen lässt, mit nur einem Satz neu zu begeistern und mitten hineinzuziehen in eine neue Geschichte. Olive Kitteridge, die zentrale Figur in Strouts beiden Romanen, ist für kurze Zeit vergessen.

Joachim Zelter, Die Verabschiebung. Julia liebt Faizan, einen Flüchtling aus Pakistan, dessen Asylantrag nahezu aussichtslos ist. Sie heiraten, um seine Chancen zu verbessern, aber in der unerbittlichen Rechtsmaschinerie, die da abläuft, gehen sie unter. Der Autor erzählt diese Geschichte eindringlich, vielschichtig und vorwärtsdrängend, immer weiter ins Unheil hinein. Der Leser ist im doppelten Sinn mitgenommen und fragt sich, ob da nicht doch ein kleiner Hoffnungsstreifen am Horizont aufscheint.  

Sasha Filipenko, Der ehemalige Sohn. Auf dem Weg zu einem Rockkonzert in Minsk gerät Franzisk in einen Unfall und fällt in ein Koma. Ärzte, Freunde und Familie geben den jungen Mann und seine Hoffnung auf Genesung schnell auf, doch seine Babuschka lässt sich nicht beirren. Sie ist felsenfest davon überzeugt, dass Zisk wieder zu ihr zurückkommen wird…und sie soll recht behalten.

Chris Colfer, Land of Stories. Die Geschiwster Alex und Connor Bailey bekommen von ihrer Großmutter ein Märchenbuch geschenkt, das sich als ein Portal herausstellt, welches sie ins magische Land teleportiert. Um wieder zurückzukommen müssen sie den legendären Wunschzauber durchführen. Allerdings sind hinter diesem auch einige unangenehme Gesellen hinterher… Ein schönes und spannendes Buch mit einer abwechslungsreichen Geschichte, vielen Rätseln und Überraschungen und einem schönen Ende. Es lohnt sich, auch die anderen Teile zu lesen.  

Michael Krüger, Meteorologie des Herzens. Michael Krüger war lange Zeit Leiter des Hanser Verlags. In seinem autobiografischen Buch lernt der Leser einen glühenden Verfechter der Literatur kennen, der selbst vor allem Lyrik, aber auch einige Romane veröffentlicht hat. Seine Begeisterung ist ansteckend. Er war stark beeinflusst von seinem Großvater, auf dessen Gut er seine ersten Lebensjahre verbrachte und unter dessen liebevoller Obhut er eine große Nähe zur Natur erfuhr.

Mareike Krügel, Schwester. Julia, Bankkauffrau und Pastorengattin mit pubertierendem Sohn schätzt die Ordnung ihres Lebens. Als ihre Schwester Lone nach einem Autounfall im Koma liegt, versucht sie, einen Teil ihrer Aufgaben als Hebamme zu übernehmen. Früher standen sie sich sehr nah, und  sie fragt sich, an welchem Punkt sich ihre beiden Leben so gegensätzlich entwickelt haben. Sie findet die Schwangeren, die sie besucht zunächst ziemlich seltsam aber trotzdem anziehend und lernt so völlig andere Lebensentwürfe kennen.

Katja Oskamp,Marzahn mon amour. Dieses Buch ist eine Schatzkiste der besonderen Art: mit wenig Glitzer, aber mit vielen Einblicken in eine kaum beachtete Ecke der Gesellschaft. Eine Schriftstellerin ( die Autorin selber ) mit wenig Einkommen lässt sich zur Fußpflegerin ausbilden und in einem Kosmetiksalon anstellen, mitten in Marzahn in einer Plattenbausiedlung.

Thomas Taylor , Malamander – Die Geheimnisse von Erie-on-Sea. Das Buch wurde nach einer ruhigen Einleitung interessanter und baute immer mehr Spannung aus. Es ließ sich gut lesen und führte mich zuweilen hinters Licht. Insgesamt hat mir das Buch gut gefallen.