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Buchtipps - Romane

Nicola Kabel, Kleine Freiheit.  Saskia, Richterin in Elternzeit lebt mit ihrem Mann und ihren zwei Söhnen in einem Dorf bei Hamburg. Sie sucht Geborgenheit in dieser Art von Familienleben. Gleichzeitig ist es  eine Art von Rebellion gegen ihre Familiengeschichte. Sie wächst in WGs auf, die Mutter ist schon lange verschwunden und der Vater ein Alt-68iger,  auch er Jurist, der bis jetzt gegen die Ungerechtigkeiten der Welt kämpft.

Annie Ernaux, Eine Frau. Ernaux wurde 5 Jahre vor Kriegsende in der Normandie geboren. Im vorliegenden Buch geht  es um das Leben und den Tod ihrer Mutter. Zitat „Jetzt habe ich das Gefühl, als schriebe ich über meine Mutter, um sie dadurch zur Welt zu bringen.“ Ihre Mutter war Fabrikarbeiterin, und hatte es geschafft zu einer Ladenbesitzerin " aufzusteigen ", Die Tochter " sollte es einmal besser haben“. Dafür hatten sie und ihr Mann alles getan.

Ayòbámi Adébáyò, Bleib bei mir. Yejide und Akin, ein glücklich verliebtes Ehepaar  in Nigeria, versuchen eine Familie zu gründen.  Doch Yejide wird nicht schwanger und das belastet zunehmend auch Akins Familie, vor allem seine Mutter. Um endlich Großmutter zu werden, trifft sie dann auch die Entscheidung ihren Sohn mit einer zweiten Frau zu verheiraten. Was das in Yejide bewirkt und wohin diese angebliche Lösung des Problems führt, erzählt Ayòbámi Adébáyò auf eindringliche Weise.

Linus Reichlin, Senor Herreras blühende Intuition. Eigentlich erhofft sich der Schriftsteller Leo Renz von seinem Aufenthalt in einem andalusischen Kloster Ruhe mit viel Yoga, Inspiration für seinen neuen Roman und Abhilfe für seinen viel zu hohen Puls. Aber einiges ist merkwürdig. Es gibt nur noch 3 Nonnen, der Koch ist ein ehemaliger Matador, seine Kochkünste mehr als fragwürdig und vielleicht ist die eine, sehr weltliche Nonne doch vor der Mafia geflohen. Oder ist sie nicht eigentlich eine Figur aus dem noch zu schreibenden Roman? 

Judith Hermann, Daheim. Theda, eine nicht mehr junge Frau, trennt sich von ihrem Mann und zieht in ein kleines Haus am Meer.

Horst Evers, Wer alles weiß, hat keine Ahnung. „An der Bushaltestelle. Eine mir unbekannte Frau rennt plötzlich auf mich zu und beginnt, hektisch zu reden. „Entschuldigen Sie bitte, Sie kennen mich nicht. Aber Sie sehen meinem Mann so unglaublich ähnlich. Und der hat sich doch jetzt die Nase gebrochen. Weshalb das blöderweise mit dieser Gesichtserkennung nicht mehr funktioniert. Also dürfte ich bitte mal kurz mit Ihrem Gesicht sein Handy entsperren?“

Elizabeth Strout, Mit Blick aufs Meer /  Die langen Abende. Zwei wunderbar ehrliche Romane über das Leben in einer Kleinstadt mit ihren Bewohnern. Elizabeth Strout schafft es jedes Mal, wenn sie den Leser einen Ausflug in der kleinen Stadt Crosby unternehmen lässt, mit nur einem Satz neu zu begeistern und mitten hineinzuziehen in eine neue Geschichte. Olive Kitteridge, die zentrale Figur in Strouts beiden Romanen, ist für kurze Zeit vergessen.

Joachim Zelter, Die Verabschiebung. Julia liebt Faizan, einen Flüchtling aus Pakistan, dessen Asylantrag nahezu aussichtslos ist. Sie heiraten, um seine Chancen zu verbessern, aber in der unerbittlichen Rechtsmaschinerie, die da abläuft, gehen sie unter. Der Autor erzählt diese Geschichte eindringlich, vielschichtig und vorwärtsdrängend, immer weiter ins Unheil hinein. Der Leser ist im doppelten Sinn mitgenommen und fragt sich, ob da nicht doch ein kleiner Hoffnungsstreifen am Horizont aufscheint.  

Sasha Filipenko, Der ehemalige Sohn. Auf dem Weg zu einem Rockkonzert in Minsk gerät Franzisk in einen Unfall und fällt in ein Koma. Ärzte, Freunde und Familie geben den jungen Mann und seine Hoffnung auf Genesung schnell auf, doch seine Babuschka lässt sich nicht beirren. Sie ist felsenfest davon überzeugt, dass Zisk wieder zu ihr zurückkommen wird…und sie soll recht behalten.

Michael Krüger, Meteorologie des Herzens. Michael Krüger war lange Zeit Leiter des Hanser Verlags. In seinem autobiografischen Buch lernt der Leser einen glühenden Verfechter der Literatur kennen, der selbst vor allem Lyrik, aber auch einige Romane veröffentlicht hat. Seine Begeisterung ist ansteckend. Er war stark beeinflusst von seinem Großvater, auf dessen Gut er seine ersten Lebensjahre verbrachte und unter dessen liebevoller Obhut er eine große Nähe zur Natur erfuhr.