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Buchtipps - Romane

Sasha Filipenko, Rote Kreuze. Tatjana Alexejewna ist über neunzig und vergesslich, sehr vergesslich. Zur Orientierung, dass sie wenigstens nicht vergisst wo sie lebt, malt sie rote Kreuze an die Wohnungstüren. Als Alexander nach einem schweren Schicksalsschlag sein Leben neu ordnen muss und in dasselbe Haus einzieht, ist er zunächst nicht besonders erpicht darauf, seine neue Nachbarin näher kennenzulernen. Doch Tatjana scheint das ziemlich egal zu sein und sie schafft es, sein Interesse an ihrer Geschichte zu wecken.

Sandra Gugic, Zorn und Stille. Die österreichische Autorin mit serbischen Wurzeln erzählt in ihrem Roman von einer „Gastarbeiterfamilie“ aus  Ex-Jugoslawien deren Mitglieder versuchen, ihre Herkunft mit ihrer neuen österreichischen Heimat in Einklang zu bringen. Sie tun das auf unterschiedliche Weise – die Eltern versuchen sich anzupassen, nur nicht aufzufallen, die Tochter dagegen lehnt sich auf, rebelliert und geht einen eigenen Weg. 

Nguyễn Phan Quế Mai, Der Gesang der Berge. Nachdem Huangs Eltern nicht aus dem Vietnamkrieg zurückgekehrt sind, wächst diese bei ihrer Großmutter auf. Während die beiden auf die Rückkehr ihrer Familienmitglieder hoffen, erzählt Diêu Lan ihrer Enkelin die Geschichte ihrer Familie. 

Howard Jacobson, Rendezvous und andere Altererscheinungen. Die Prinzessin und Shimi lernen einander bei der Beerdigung seines Bruders kennen. Sie sind zwei sehr eigentümliche Höchstbetagte mit äußerst unterschiedlichen Lebenserfahrungen und –auffassungen. Mit scharfem, aber liebevollem Blick, in funkelnden Dialogen und recht anspruchsvollen Reflektionen schildert der Autor die Lebensläufe der beiden und was aus dem Aufeinandertreffen zweier trotz Altersdefiziten so geistreichen Menschen wird.  

Tanja Weber, Betongold. Der Smokey, ein ehemaliger Münchner Kriminalkommissar, gebeugt durch Morbus Bechterew („den Russen auf seinem Rücken“) blickt zu Beginn des Romans in eine Baugrube auf die Leiches seines Freundes Schani, eines Immobilienmaklers mit zweifelhaften Praktiken. Was passiert ist, schildert die Autorin mit sehr viel Liebe für ihre Figuren, den Münchner Stadtteil Giesing, und mit viel Gefühl für die diversen Unglücke ihrer Protagonisten. 

Ewald Arenz, Der große Sommer. Nicht besonders verheißungsvolle Sommerferien stehen Frieder bevor. Nach einem misslungenen Schuljahr darf  er nicht mit in den Familienurlaub sondern muss stattdessen bei seinem strengen Großvater auf die Nachprüfungen in Latein und Mathematik lernen. Doch dann lernt er Beate auf dem 7einhalber kennen, sie springen gemeinsam zum ersten Mal und verlieben sich. Zusammen mit ihr, seiner Schwester Alma und seinem komplizierten besten Freund Johann erlebt Frieder einen unvergesslichen Sommer voller großer Gefühle. 

Donatella di Pietrantonio, Borgo Sud. Schauplatz des Romans: Italien Abruzzen und Pescara am Adriatisches Meer. Neben den dramatischen Ereignissen, die im Laufe des Romans erzählt werden, schwebt über allem der Geruch des Meeres und der Fischgerichte mit viel Knoblauch. Zwei sehr unterschiedliche Schwestern, die in den Abruzzen unter ärmlichen Bedingungen aufgewachsen sind, gehen als junge Frauen nach Pescara. Die ältere studiert Literaturwissenschaft, die jüngere schlägt sich so durch, ist unberechenbar und wild. Beide lernen ihre zukünftigen Männer kennen.

Dror Mishani, Drei. Nachdem Orna von ihrem Mann verlassen wurde, sucht sie Trost und Ablenkung und meldet sich zu diesem Zweck bei einem Online-Datingportal an. 

Heinrich Steinfest, Amsterdamer Novelle. Roy Paulsen war noch nie in Amsterdam und fährt seit seiner Jugend kein Fahrrad mehr. Wie kann es also sein, dass er auf einem Foto mit Fahrrad vor einem Amsterdamer Haus zu sehen ist? Um das Geheimnis aufzuklären, fährt Paulsen nach Amsterdam und findet auch das Haus. Was weiter passiert, ist spannend, raffiniert, ein Spiel mit Gegenwart und Zukunft und auch wirklich, wie es die Gattung Novelle erfordert, eine unerhörte Begebenheit.

Hans Joachim Schädlich, Die Villa. In der Villa spielte sich mehr oder weniger das Leben der Familie Kramer zwischen 1931bis ca. 1950 ab. Hans Kramer hatte sie in Reichenbach im Vogtland bauen lassen. Schädlich beschreibt die Vorkriegs-, Kriegs- und Nachkriegszeit aus dem Erleben dieser bürgerlichen Familie, die schließlich  unter  den schrecklichen Kriegserfahrungen zu leiden hatte. Auch das Leben der Vorkriegszeit wird sehr lebendig und auch z.T. witzig dargestellt.