Carmen Schneider empfiehlt:

Michael Köhlmeier, Das Philosophenschiff. Zu ihrem 100. Geburtstag lädt die renommierte Architektin Anouk Perleman-Jakob einen Schriftsteller zu sich ein, von dem sie weiß das er zu Schwindeleien neigt, damit er die Teile ihrer Lebensgeschichte erzählt, die sie in ihrem Biografien verschwiegen hat. Während den gemeinsamen Sitzungen, in denen sie aus ihrem Leben berichtet, entwickelt sich ein spannendes Verhältnis, sowohl aus gegenseitigem Misstrauen als auch großer Sympathie zwischen den beiden. Gleichzeitig lakonisch als auch fesselnd berichtet Frau Perleman-Jakob von ihrer Kindheit und Jugend in Sankt Petersburg, wo sie unter dem bolschewistischen Terror aufgewachsen ist und von der Geheimpolizei Tscheka verhört wurde. Schließlich wird sie als junges Mädchen, gemeinsam mit ihrer Familie, 1922 auf einem der sogenannten „Philosophenschiffe“ auf Lenins Befehl hin ins Exil gebracht. Nach fünf Tagen auf dem offenen Meer trifft das leiderprobte junge Mädchen dort auf Lenin selbst, der inzwischen schwer gezeichnet nach mehreren Schlaganfällen im Rollstuhl sitzt und unterhält sich mit ihm. 

Besonders spannend an diesem Roman war für mich die Vermischung von historischen Fakten und fiktionalen Erzählmaterial, sowie der Umgang mit dem Begriff „Wahrheit“ und deren Auslegung, der sich durch den ganzen Roman zieht.


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