Marlene Kunz-Schweikert empfiehlt:
Island im Jahr 1949: es herrscht ein Mangel an Arbeitskräften auf Islands Bauernhöfen, da es die Jugend nach Reykjavik zieht. In der Stadt ist das Leben durch die dort stationierten Soldaten moderner und freier. Die isländische Bauernpartei wirbt daher in Deutschland um Arbeitskräfte. Dem Aufruf folgen einige hundert junge Menschen, vor allem Frauen. Sie werden auf die entlegenen Höfe verteilt, so auch Elsa, die kein Wort Isländisch spricht. Die Sprache ist fremd, die Menschen ebenso rau wie die Landschaft. Die Annäherung an beide gestaltet sich schwierig. Nicht nur Elsa trägt ihre Erinnerungen und Traumata aus dem Krieg mit sich. Auch die Familie, bei der sie nun lebt, hat ihre Geheimnisse.
Dieser Roman hat mich sehr berührt. Die Sprache spiegelt treffend die karge Landschaft wider, sowie die anfängliche Sprachlosigkeit und das allmähliche Kennenlernen und Liebgewinnen der neuen Umgebung. Ein stiller, kraftvoller Roman.
Allen, die mehr zu diesem Teil der Nachkriegszeit erfahren möchten, empfehle ich ergänzend das Buch „Frauen, Fische, Fjorde“ von Anne Siegel. Es werden verschiedene Frauen und auch Männer porträtiert, die sich damals für die Reise nach Island entschieden haben. Nicht wenige von Ihnen sind dortgeblieben.