Details

ISBN/EAN: 978-3-689-12626-1
Format: PDF
DRM: Digitales Wasserzeichen
Weitere Details
Auflage:
1. Auflage 2026
Erschienen am:
Sprache:
Deutsch
Umfang:
1.07 MB
Empfohlene App:
Weitere Details arrow_forward_ios

Generale unter sich

eBook

4,99 €
inkl. MwSt.

Herunterladen

Beschreibung

Stalingrad, Winter 1942/43: Während draußen eine Armee zugrunde geht, sitzen deutsche Generale im Keller zusammen ¿ abgeschnitten, ratlos, gefangen im eigenen Denken. In "Generale unter sich" seziert Theodor Plievier mit unerbittlicher Schärfe die moralische und politische Bankrotterklärung einer militärischen Führung, die Verantwortung scheut und dennoch über Menschenleben verfügt. Ein eindringlicher, zeitloser Text über Macht, Schuld und das Versagen von Eliten im Angesicht der Katastrophe.

Über Theodor Plievier

Theodor Otto Richard Plievier wurde am 17. Februar 1892 in Berlin geboren. Er wuchs im Arbeiterbezirk Gesundbrunnen auf und kam früh mit Literatur, sozialem Elend und politischen Ideen in Berührung. Bereits als Jugendlicher veröffentlichte er Texte in anarchistischen Zeitschriften. Sein unruhiger Lebensweg führte ihn durch Europa und Südamerika, wo er unter anderem als Matrose, Minenarbeiter, Viehtreiber und Gelegenheitsarbeiter arbeitete ¿ Erfahrungen, die sein späteres Schreiben nachhaltig prägten. Während des Ersten Weltkriegs diente Plievier als Matrose in der kaiserlichen Marine. Die brutalen Zustände an Bord des Hilfskreuzers Wolf und das elende Leben der einfachen Soldaten wurden zum Ausgangspunkt seines literarischen Durchbruchs. Mit dem 1930 erschienenen Roman "Des Kaisers Kulis" gelang ihm über Nacht internationale Bekanntheit. Das Buch ist eine schonungslose Anklage gegen Militarismus, Hierarchie und Krieg und machte Plievier zu einer wichtigen Stimme der antimilitaristischen Literatur der Weimarer Republik. Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme wurden seine Werke verboten und verbrannt. Plievier floh ins Exil, das ihn über mehrere europäische Länder schließlich in die Sowjetunion führte. Dort arbeitete er zeitweise als Rundfunkautor und Mitglied des Nationalkomitees Freies Deutschland. Auf Grundlage intensiver Recherchen, Gespräche mit Kriegsgefangenen und der Auswertung von Feldpostbriefen entstand sein bekanntestes Werk: "Stalingrad". Der Roman erschien 1945 und war das erste literarische Werk, das den Untergang der 6. deutschen Armee ungeschönt, aus der Perspektive der einfachen Soldaten schilderte. Er wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt und weltweit gelesen. Mit "Moskau" (1952) und "Berlin" (1954) setzte Plievier diese Darstellung fort und schuf eine monumentale Romantrilogie über den Zweiten Weltkrieg an der Ostfront. Im Mittelpunkt steht dabei stets nicht die Strategie der Generäle, sondern das Leiden der Menschen im Mahlstrom der Geschichte. Plievier verband dokumentarische Genauigkeit mit erzählerischer Kraft ¿ ein Stil, der seine Bücher bis heute eindringlich macht. Nach 1945 arbeitete Plievier kurzzeitig in der Sowjetischen Besatzungszone, unter anderem als Verlagsleiter und Abgeordneter. Doch der zunehmende politische Dogmatismus veranlasste ihn, 1947 den Osten zu verlassen. In Westdeutschland und später in der Schweiz trat er entschieden für individuelle Freiheit, gegen jede Form von Totalitarismus und für ein vereintes Europa ein. Diese Haltung bestimmte sein Spätwerk ebenso wie seine öffentlichen Reden. Theodor Plievier starb am 12. März 1955 im schweizerischen Avegno. Sein Werk wurde in den Jahrzehnten nach seinem Tod vielfach neu aufgelegt und gehört heute zu den wichtigsten literarischen Zeugnissen des 20. Jahrhunderts über Krieg, Exil und Gewissensfreiheit. Seine Romane sind keine Heldenepen, sondern eindringliche Mahnungen ¿ geschrieben aus der Erfahrung eines Menschen, der Krieg, Armut und politische Verfolgung selbst erlebt hat.

Leseprobe

Und es ist ein hochtouriges Vehikel und läuft auf Vollgas ¿ Bäume, Telegrafenpfosten, Hausstümpfe, blutende Torsos, Männer mit verbundenen Köpfen, Selbstmörderstirnen, Frauenhände vor das weinende Gesicht geschlagen, wie wesenloser Rauchstreif stürmt es vorbei ¿ wir fahren und wissen nicht, wohin wir fahren, worüber wir fahren, was unter unsern Felgen so laut heult. Der Führer sitzt am Lenkrad und sieht nichts, kann nichts sehen, die Windschutzscheibe ist blind von aufgeschleudertem Schnee, von Dreck, von Knochen, vom klebenden Blut aufheulender zerfahrener Kolonnen. Der Führer und du, General, und ich General, wir wissen nichts, wir sehen nichts, wir sind nur die rollende und Mensch und Pferd und Eisen zermalmende Felge. Das ist kein Angsttraum, das ist die Wirklichkeit. Das war der Blitz, der Vilshofen durchfuhr. Aufblickend fand er sich im Keller. Am Tisch eine Gesellschaft fahler Köpfe. Eine magere mit einem Trauring geschmückte Hand, die mit einem großen bunten Taschentuch den Hinterkopf und auch den Nacken abwischte. Ein langes todernstes Gesicht und fast schon eine stille Maske. Ein Gnomenkopf, zerknittert und durchfurcht und mit großen hochgeröteten Ohren. Noch ein Gesicht, etwas massig, etwas gekränkt und mit dem Ausdruck: Mir langt es jetzt aber! Zarte Züge mit dem Ausdruck einer migränekranken Frau und dabei besorgt und teilnahmsvoll an einem ruhelos auf und ab Wandernden haftend. Dann war da noch ein graues, noch ein zweites, noch ein drittes graues ausdrucksloses Gesicht. Das war der Keller, das waren die Gesichter, das war der trübe Brei, in den Vilshofen zurückfiel. "Aber, meine Herren!" "Aber, mein General ¿" Vilshofen hatte denselben General im ersten Weltkrieg als Hauptmann erlebt, wie er schon zerschleißende Soldatennerven wieder zusammenbrachte, wie er aus dem Graben herauskletterte, in aufspritzendem Artilleriefeuer einherstelzte, sich Feuer für eine Zigarette reichen ließ, sein "Danke" schnarrte und so sein junges Leben beispielshalber aufs Spiel setzte; und sein altes Leben, das war zu sehen, war ihm nichts mehr wert, und nicht um seines Lebens willen hatte er sein Wort gesprochen, es war ihm nicht die Wand, sich dahinter zu verkriechen. Aber da hatte er sich wieder niedergelassen, und da saß er wieder auf der Bank des Schweigens, ein sehr weiß gewordener, ein sehr alter Mann. Man kann doch aber nicht so ein Wort aussprechen und sich damit ins Privatleben zurückziehen! Und da gibt es keinen alten und auch keinen steinalten Mann, noch dazu auf Stalingrader Boden, wo man Leichen fechten lässt. "Für den nicht. Ich denke nicht daran. Nein!", sagte der General noch einmal und wurde wieder zu einem Stein. "Meine Herren, es ist natürlich klar, ,der¿ ist nichts ohne die ihm geliehenen Generalsarme. Und was not tut, ist die volle Kehrtwendung, und da heißt es nicht nur: Kehrt, sondern: Kehrt, marsch! Jawohl: Spielleute an den rechten Flügel! Sprung auf, marsch, marsch, Hurra!"

E-Book Informationen

Alle hier erworbenen E-Books können Sie in Ihrem Kundenkonto in die kostenlose PocketBook Cloud laden. Dadurch haben Sie den Vorteil, dass Sie von Ihrem PocketBook E-Reader, Ihrem Smartphone, Tablet und PC jederzeit auf Ihre gekauften und bereits vorhandenen E-Books Zugriff haben.

Um die PocketBook Cloud zu aktivieren, loggen Sie sich bitte in Ihrem Kundenkonto ein und gehen dort in den Bereich „E-Books“. Setzen Sie hier einen Haken bei „Neue E-Book-Käufe automatisch zu meiner Cloud hinzufügen.“. Dadurch wird ein PocketBook Cloud Konto für Sie angelegt. Die Zugangsdaten sind dabei dieselben wie die Ihres Kundenkontos in diesem Webshop.

Weitere Informationen zur PocketBook Cloud finden Sie unter www.meinpocketbook.de.

Allgemeine E-Book-Informationen

E-Books in diesem Webshop können in den Dateiformaten EPUB und PDF vorliegen und können ggf. mit einem Kopierschutz versehen sein. Sie finden die entsprechenden Informationen in der Detailansicht des jeweiligen Titels.

E-Books ohne Kopierschutz oder mit einem digitalen Wasserzeichen können Sie problemlos auf Ihr Gerät übertragen. Sie müssen lediglich die Kompatibilität mit Ihrem Gerät prüfen.

Bei E-Books die mit Readium LCP geschützt sind erscheint bei dem ersten Öffnen auf ihrem Reader ein Hinweisfenster mit der Aufforderung ein Passwort einzugeben. Gleichzeitig öffnet sich ein Infofeld in dem das Passwort steht. Tragen Sie dieses Passwort in das Eingabefeld ein und bestätigen Sie die Eingabe. Danach öffnet sich das E-Book automatisch. Um E-Books die mit Readium LCP geschützt sind auf einem Tablet/Laptop/Smartphone lesen zu können, benötigen Sie ein Programm, das in der Lage ist, mit diesem Kopierschutz umzugehen. Das ist z.B. der Thorium Reader (Windows, Mac, Linux) oder die PocketBook App (iOS, Android). Fügen Sie das heruntergeladene E-Book in das Programm ein. Bei dem ersten Öffnen erscheint ein Hinweisfenster mit der Aufforderung ein Passwort einzugeben. Gleichzeitig öffnet sich ein Infofeld in dem das Passwort steht. Tragen Sie dieses Passwort in das Eingabefeld ein und bestätigen Sie die Eingabe. Danach öffnet sich das E-Book automatisch.