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ISBN/EAN: 978-3-9899869-1-6
Format: EPUB
DRM: Nicht vorhanden
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Auflage:
1. Auflage 2025
Erschienen am:
Sprache:
Deutsch
Umfang:
273 S., 1.01 MB
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Die Toten von West Ham

eBook - Ein John Jago Krimi, Neuausgabe / New edition, Neuausgabe / New edition

4,99 €
inkl. MwSt.

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Beschreibung

Auch im Krieg heißt es: Mord bleibt Mord …
Der fesselnde Auftakt der historischen Krimireihe um den Londoner Blitz Detective

September 1940. Die Sonne scheint und man könnte denken, die Londoner hätten vergessen, dass sich ihr Land im Krieg befindet – bis das vertraute Heulen des Fliegeralarms einen feindlichen Angriff ankündigt. Der Luftangriff hat begonnen, und das normale Leben ist abrupt beendet – nicht aber das Verbrechen.

In dieser Nacht wird die Leiche eines Mannes in einem Lieferwagen in den Seitenstraßen von West Ham entdeckt. Als Detective Inspector John Jago zum Tatort gerufen wird, erkennt er das Opfer: der örtliche Friedensrichter Charles Villiers. Seine Wunden sehen verdächtig aus, doch bevor das Opfer näher untersucht werden kann, müssen Jago und sein neuer DC Peter Cradock vor dem Fliegerangriff in Deckung gehen. Als sie aus der Staubwolke heraustreten, ist alles, was von ihrem Tatort übrig geblieben ist, ein riesiger Bombenkrater, der die Leiche und mit ihr sämtliche Beweise vollständig verschlungen hat. Das ändert jedoch nichts an Jagos Aufgabe, die Wahrheit zu finden und während er sich durch die Liste mit Charles Villiers Feinden arbeitet, taucht bald schon ein weiterer Toter auf …

Erste Leser:innenstimmen
„Der Kriminalroman strotzt vor Ablenkungsmanövern und zwielichtigen Gestalten, die den Leser auf Trab halten wie Jago und Cradock, um Motiv und Mörder aufzudecken."
„Mike Hollow hat gründlich recherchiert und eine spannende Geschichte über das Leben während des Krieges in London geliefert, wo John Jago daran arbeitet, Mörder zu stellen, selbst wenn die Bomben fallen."
„Ich habe selten einen historische Krimi so genossen wie diesen, den nächsten teil der Serie kann ich kaum erwarten.“
„Der Autor gibt in seinem Debüt einen atmosphärischen und historisch genauen Einblick in die Polizeiarbeit zu Zeiten von Stromausfälle und Fliegeralarm.“

Leseprobe

1

Manchmal wünschte sich Jago, kein Polizist zu sein.

Jetzt würde er am liebsten über die Straße gehen und das blöde Plakat von der Wand reißen. Es hing schon so lange da, dass es den meisten wahrscheinlich gar nicht mehr auffiel, aber ihm ging es gewaltig gegen den Strich. Er fand es genauso anmaßend und herablassend wie die Regierung, die es dort hatte anbringen lassen.

Er versuchte, nicht darüber nachzudenken. Schließlich war er nicht deswegen hierhergekommen. Abgesehen von dem Blick über die West Ham Lane auf das verdammte Ding war Ritas Café eine Oase, ein angenehmer Zufluchtsort mit guter Hausmannskost. Heute hatte er wieder einmal den Weg in dieses Lokal gefunden, um Abstand von seiner Arbeit, den Verbrechen und der Welt an sich zu gewinnen.

Rita kam auf ihn zu, wie immer mit einem Tuch in der Hand und einem Stift hinter dem Ohr. Eine recht attraktive Frau in den besten Jahren, wie es hieß, um die vierzig, wie er, aber seit zweiundzwanzig Jahren Witwe und Mutter einer dreiundzwanzigjährigen Tochter. Mit ihrer geblümten Schürze und dem zum Turban gebundenen Kopftuch behandelte sie ihre Gäste, als kämen sie zum Tee in ihre Küche.

„Guten Tag, Mr Jago“, sagte sie. „Gefällt Ihnen die Aussicht?“

„Nein“, erwiderte er. „Können Sie den Stadtrat nicht dazu bringen, das Plakat abzuhängen? Es geht mir nämlich auf die Nerven.“

Sie sah aus dem Fenster. Seit einem Jahr zog sich ein braunes Stoffklebeband im Zickzack über die Scheibe und löste sich an den Ecken. Sie rieb mit dem Tuch über einen kleinen Fettfleck. „Die Fenster sehen schlimm aus. Eigentlich müsste ich sie neu kleben, aber wozu? Der Krieg tobt seit einem Jahr und hier ist nichts passiert. Meinen Sie das rote Plakat da drüben? Das sieht doch schon ziemlich mitgenommen aus, finden Sie nicht?“

„Ja, aber leider kann man immer noch erkennen, was draufsteht. Schauen Sie mal.“

Rita las langsam. „‚Ihr Mut, Ihre Fröhlichkeit und Ihre Entschlossenheit werden uns zum Sieg führen.‘ Was soll daran verkehrt sein?“

„Alles. Als ob man Kriege mit einem Lächeln gewinnt! Die sollten mal wochenlang im Schützengraben stehen, bis zu den Knien im Dreck, Blut und Ratten – so wie Ihr Walter und ich. Dann vergeht denen das Lachen. Schauen Sie mal: Jedes ‚Ihr‘ ist extra unterstrichen. Sie hätten auch ‚uns‘ machen können, damit klar ist, wer herrscht und wer gehorcht. Ich wundere mich, dass es noch nicht von den Kommunisten geschwärzt wurde. Was denken sich diese Bürokraten eigentlich?“

„Nicht gerade Ihr Lieblingsplakat, was? Solche Worte aus Ihrem Mund, Mr Jago, und das als Diener der Krone! Wenn das jemand hört, könnten Sie sich glatt selbst verhaften.“

„Keine Sorge, Rita, das bleibt unter uns. Ich erzähle das nicht jedem, aber bei Ihnen kann ich mal Dampf ablassen.“

„Ich kann ja zum Bürgermeister gehen und ihn bitten, es zu entfernen, weil es meine Kunden stört und mir das Geschäft verdirbt.“

„Ehrlich gesagt, Rita, würde ich nicht ausschließen, dass der Stadtrat es absichtlich dort angebracht hat. Dieses schreckliche Propagandaplakat stammt von Chamberlain und seinen Konservativen, und Labour regiert hier seit zwanzig Jahren. Es sollte wohl ein politisches Statement sein.“

„Ich glaube, Sie interpretieren da zu viel hinein. Außerdem wird das Wetter Sie bald erlösen, es fällt sowieso von der Wand.“ Dann wischte sie den Tisch ab, zog einen Notizblock aus der Schürzentasche und den Kugelschreiber hinter dem Ohr hervor. „Was darf es sein? Vielleicht ein kleiner Happen zum Mittag?“

„Nein. Eine Kanne Tee für zwei und zwei von ihren leckeren Rock Cakes. Ich warte auf meinen Kollegen, er ist gerade auf der Toilette.“

„Ich bringe alles, wenn er an der Theke vorbeiläuft. Ist das der junge Mann, mit dem Sie gekommen sind? Ich habe ihn hier noch nie gesehen.“

„Das ist mein Assistent, Detective Constable Cradock. Ich nehme ihn nachher mit zum Fußball. Um ihn mit den hiesigen Gepflogenheiten vertraut zu machen, könnte man sagen.“

„Nun, das Wetter wird auf jeden Fall mitspielen. Hoffentlich gewinnt Ihre Mannschaft. Ihr Kollege macht einen netten Eindruck. Vielleicht passt er ja gut zu meiner Emily. Ist er schon vergeben?“

„Tut mir leid, Rita, das weiß ich nicht. Und wenn ich es wüsste, würde ich es Ihnen nicht verraten.“

„Sie vermissen Sergeant Clark, nicht wahr? Er ist doch wieder beim Militär, oder?“

„Ja, er wurde eingezogen, als der Krieg ausbrach, wie alle anderen Reservisten auch. Wir haben so wenig Personal, dass ich keinen Detective Sergeant bekomme, also muss ich mich mit einem Constable begnügen.“

„Das letzte Mädchen hat gekündigt, weil sie in der Munitionsproduktion mehr verdient. Jetzt bin ich mit Phyllis da drüben gestrandet. Der kann man beim Laufen die Schuhe besohlen. Die Jugend von heute hat keine Ahnung mehr von harter Arbeit, oder?“

„Die Zeiten haben sich geändert, Rita, keine Frage. Manchmal verstehe ich Cradock nicht – das liegt nicht am Altersunterschied. Es ist der Krieg. Wer ihn erlebt hat, sieht die Welt anders. So einfach ist das.“

„Stimmt.“ Rita seufzte. „Mein Walter ist vor zweiundzwanzig Jahren gefallen, und das belastet mich immer noch. Aber für die meisten bin ich nur eine weitere Kriegswitwe, und davon will niemand etwas wissen. Außer Ihnen natürlich; Sie sind immer sehr verständnisvoll. Vielleicht hätte ich weggehen und neu anfangen sollen, aber irgendwie ist es nie dazu gekommen. Ich weiß nicht, warum.“

„Weil Menschen wie Sie und ich hierhergehören, Rita, deshalb.“

„Wahrscheinlich. Zu Hause ist es doch am schönsten, was? Trübsal blasen hilft nicht, oder? Das bringt einen auch nicht weiter. Hier ist der Express von gestern, damit können Sie die Wartezeit überbrücken. Ich weiß, dass Sie einen Blick hineinwerfen wollen.“ Lächelnd reichte sie ihm den Stratford Express und deutete auf die Wand hinter ihm. „Haben Sie einen neuen Hut?“

„Sehr aufmerksam, Rita. Sie hätten Polizistin werden sollen.“

Sie lachte. „Ich doch nicht, mein Lieber. Dafür bin ich nicht klug genug. Sie sehen nur immer so schick aus, im Gegensatz zu den anderen Männern hier. Deshalb fällt mir auf, was Sie tragen.“

Jago nahm die Kopfbedeckung vom Haken an der Wand und strich sie mit dem Ärmel seines Jacketts glatt. „Sie haben recht. Den habe ich erst letzte Woche gekauft. Das ist der erste Hut, den ich mir seit fünf Jahren geleistet habe, und ich habe vor, ihn noch mindestens fünf Jahre zu tragen.“

Es war ein dunkelgrauer Fedora, dessen Krempe vorn nach unten geklappt war. Wie viel er dafür bezahlt hatte, verschwieg er seinen Kollegen lieber. Selbst mit dem Gehalt eines Inspectors konnte er sich keine Eskapaden leisten. Hätte er Frau und Kinder, wäre es unerhört gewesen, aber als Junggeselle hatte er ein reines Gewissen.

„Sehr elegant. Sie sehen immer wie ein echter Gentleman aus.“ Damit ging sie in die Küche, und Jago hängte seinen Hut zurück an den Haken.

Sein Magen knurrte, und Cradock ließ sich zu vi...

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